Hottentotta jayakari
(Pocock, 1895)

Hottentotta jayakari salei morph
(Vachon, 1980)

Melanie Kaminski

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Hottentotta jayakari und Hottentotta jayakari salei morph  haben einen langen Werdegang, und der ist vermutlich noch längst nicht zu Ende. Einst als Art und Unterart klassifiziert, erklärte man sie später auf der einen Seite zu zwei eigenständigen Arten, und jüngst auf der anderen Seite durch erfolgreiche Hybridisierung als Farbmorphen. Daher gilt beides; ich persönlich habe mich der Farbmorphen Theorie verschworen. Das alles ändert aber nichts an der Schönheit dieser Buthiden. Diese Art besticht durch seine auffällig kontrastreiche Färbung, die durch die Farbmorphen noch interessanter wird und es auf jeden Fall Wert ist, sich genauer anzuschauen. Für die Haltung im Terrarium sollte man aber schon ein wenig Erfahrung haben, denn sie sind sehr giftig und flink. Grundsätzlich aber gehören sie aber zu den Vertretern, die meist erst zustechen, wenn sie in die Ecke gedrängt werden. Ansonsten flüchten sie eher.


 Taxonomische Information

Hottentotta jayakari und Hottentotta jayakari salei morph gehören zur Familie der Buthidae (C.L. Koch,1837). Mit über 900 Arten in 87 Gattungen ist sie die größte Familie der Skorpione. Die Gattung Hottentotta (Birula, 1908) umfasst zur Zeit rund 40 Arten, verbreitet in Afrika, Asien und Indien.
Pocock beschrieb 1895 erstmals eine aus dem nördlichen Oman stammende Art als Buthus jayakari.[Buthus (Leach, 1813) heute Hottentotta ]. 1980 beschrieb Vachon den Buthotus jayakari salei aufgrund des nur leicht abweichenden Farbmusters als eine Unterart des H.jayakari. Dieser stammte aus dem südlichen Oman. [Buthotus, (Vachon 1949) = Synonym f. Hottentotta bis 1985]. Nach der umfangreichen Hottentotta Revision (Kovarik, 2007) wurde der H.j.salei in den Artstatus erhoben, mit der Begründung, dass sich die Verbreitungsgebiete nur teilweise überschneiden und die beiden Arten eindeutig am Farbmuster zu unterscheiden sind. Des weiteren begründete er damit, dass das Metasoma dichter behaart ist als das des H.jayakari. Nach einer Hybridisierung der beiden bis dahin separat geführten Arten wurde diese Haltung 2011 zerschlagen (Lourenco, Ythier, Stockmann, Cloudsley-Thompson). Es wurden nicht nur erfolgreich F1 Nachzuchten hervorgebracht. Um zu beweisen, dass diese Nachzuchten fertil sind, hat man die adulten Nachzuchten verpaart, welche erfolgreich die F2 Generation hervorbrachte. Bild4Beide Generationen wiesen sowohl dunkle als auch helle Färbungen auf. Die Autoren sahen es somit als erwiesen an, dass es sich bei diesen beiden um die selbe Art handelt, die in verschiedenen Färbungen auftritt. Da es sich also um Farbmorphen handelt, kann es durchaus zu verschiedenen Zwischenvarianten der Färbungen kommen. Nicht ganz sicher scheint die Benennung der beiden Morphen zu sein. Größtenteils wird H.jayakari oder H.jayakari jayakari verwendet und die helle Farbmorphe mit H.j.salei morph bezeichnet. Man könnte theoretisch auch H.jayakari dark morph und H.jayakari pale morph verwenden. (Nachfolgend Bilder aus dem Paper, die Rechte liegen bei den Autoren. Lourenço, W. R., E. Ythier, M. Stockmann & John L. Cloudsley-Thompson. (2011). Polymorphism and Hybridization in Species of Hottentotta Birula, 1908 (Scorpiones: Buthidae). Euscorpius, 124; 1-5; )
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Morphologische Information

H.jayakari und H.j.salei morph  unterscheiden sich hauptsächlich in der Färbung der Pedipalpen und des Metasomas. Die Segmente I+II weisen beim H.jayakari eine gelb bis gelbgrüne Färbung auf, die Segmente III-V sind gelblich braun bis schwarz. Beim H.j.salei morph sind die Segmente I-III gelb bis gelbgrün und nur die Segmente VI+V gelblich braun bis schwarz. Die Chela der Pedipalpen sind beim H.jayakari gelblich braun bis schwarz gefärbt, ebenso die Patella, Femur ist gelb bis gelbgrün.  Beim H.j.salei morph weist nur die Chela die dunkle Färbung auf, welche mal heller und mal dunkler sein kann. Experten ziehen für sich den Schnitt dort, dass es sich um einen H.j.salei morph handelt, solange die dunkle Färbung die Chela nicht verlässt. Oft werden die juvenilen H.jayakari, gerade im 2. und 3.instar, für H.j.salei morphen gehalten. Diese sehen auch beinahe so aus, aber im Verlauf der Häutungen kriecht die dunkle Färbung die Palpen hoch , genau so wie am Metasoma ins dritte Segment.

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Beim H.jayakari sieht man oft einen gelb-braunen Längsstreifen mittig über die Tergiten verlaufend. (Deutlich zu erkennen auf den Bildern in der Überschrift: H.jayakari mit gelb-braunem Streifen und H.j.salei morph  ohne Streifen). Die Größe wird beim H.jayakari mit 65-90mm angegeben, der H.j.salei morph bleibt mit einer Größe von 65-80mm etwas kleiner. Ansonsten sind beide Morphen gleich. Prosoma und Mesosoma sind gelblich braun bis schwarz, die Laufbeine gelb bis gelbgrün. Die Chelizeren sind gelb bis bräunlich, netzartig gemustert. Prosoma, Mesosoma und Metasoma sind stark gekörnt und weisen mehrere Kiele auf, die für die gesamte Gattung mehr oder weniger typisch sind.

Geschlechtsunterschiede

Die Breite der Manus kann zur Geschlechtsbestimmung nicht herangezogen werden, da sie bei beiden Geschlechtern gleich ist. Männchen haben mehr und längere Kammzähne als Weibchen. Männliche H.jayakari und H.j.salei morph haben 37-42 Kammzähne, die H.jayakari Weibchen weisen nur 32-35 Kammzähne auf und bei weiblichen H.j.salei morph sind bisher nur 32-34 erfasst worden. Adulte Männchen sind, wie bei fast allen Skorpionarten, etwas kleiner und haben einen schlankeren Körper. Zudem sind bei adulten Männchen die Innenseiten der Scherenhände (Chela) stärker geschwungen, mit recht deutlich erkennbarem “Zahn”.

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Habitat

H.jayakari und H.j.salei morph sind auf der arabischen Halbinsel verbreitet. Größtenteils wurden Exemplare in Oman, Jemen, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gefunden.
Das Klima der arabischen Halbinsel wird als heißes, trockenes Wüstenklima eingestuft (Klima-Klassifikation nach W. Köppen). Bild10In den Küstengebieten herrscht eher subtropisches Klima mit bis zu 90% Luftfeuchtigkeit. Die Temperaturen klettern in den Sommermonaten bis auf über 40°C, in Küstennähe mit Nachtwerten von meist nicht unter 25°C. Im Winter liegen die Temperaturen zwischen 20-25°C, an der Küste und in der Wüste Jemens um 30°C. In den Wüsten ist die Luft deutlich trockener, und die Tages- und Nachttemperaturen können stark schwanken. Es kann nachts bis auf 10°C abkühlen. Die überwiegende Teile Omans, Jemens, Saudi Arabiens und der V.A.E. bestehen aus Wüsten oder Halbwüsten, mit Trockengräsern und Dornbuschsträuchern, in den V.A.E. jedoch nahezu vegetationslos. Vereinzelt finden sich Oasen mit Dattelpalmen und Eukalyptus.
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Haltung

Die Haltung im Terrarium gestaltet sich beim H.jayakari und H.j.salei morph gleich.

Abgeleitet aus dem Klimadiagramm werden die Tiere arid gehalten. Das Bodensubstrat sollte aus einem Sand-Lehm Gemisch bestehen, also leicht grabfähig sein. H.jayakari und H.j.salei morph sind keine grabenden Arten, fertigen sich aber leichte Mulden unter Steinen oder flache Rindenstücken an. Daher eignet sich loser Sand nur bedingt. Gerade bei der Aufzucht von Juvenilen in Heimchendosen oder anderen weichen Plastikdosen entpuppt sich das als Nachteil, da durch Hochheben und Öffnen der Behältnisse der lose Sand in sich zusammenfällt und die Wohnmulde zerstört. Es sollten Steine im Terrarium sein, auf diese setzen sie sich gerne abends bei Dunkelheit. Klettermöglichkeiten wie Rückwände und Steinhaufen oder Wurzeln werden gern genutzt.
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Den Tieren sollte man trotz des trockenen Herkunftklimas eine kleine Wasserschale zum Trinken anbieten und alle 1-2 Wochen eine Ecke des Terrains leicht besprühen. Bei juvenilen Tieren sollte, wie bei allen Skorpionen, vor und nach der Häutung die Luftfeuchtigkeit erhöht werden. Jungtiere werden generell feuchter gehalten, indem man ca. alle 10 Tage ein Drittel des Terrains besprüht. Ein stets feucht gehaltenes Stück Zellstoff erreicht den gleichen Effekt. Ich persönlich verwende Zellstoffpads aus dem Hygienebereich (Zelletten), die sind fusselfrei, haben eine gewisse Festigkeit und wurden von fast allen meinen bisherigen instar 2/3 Jungtieren gern als Unterschlupf genutzt, sobald erhöhter Feuchtigkeitsbedarf bestand.
Für ein Terrarium, welches für ein adultes Tier mind. 30×30 cm Grundfläche haben sollte, sollten die Temperaturen zwischen 28-35°C liegen, wobei es unterm Spot auch bis 37-40°C werden darf. Da Jungtiere in der Regel in Heimchendosen oder noch kleineren Behältnissen aufgezogen werden, ist es schlecht möglich ein vernünftiges Temperaturgefälle zu erreichen. Ich habe mich auf 30°C eingependelt und erhöhe die Temperatur, sobald ich eine bevorstehende Häutung erkenne, indem ich das Behältnis näher zur Wärmequelle stelle. Grundsätzlich aber sollte die Temperatur bei Jungtieren 35°C nicht überschreiten. Eine Nachtabsenkung von durchschnittlich 10°C sollte erreicht werden. Eine Überwinterung von November bis März gestaltet sich in Anbetracht des Herkunftklimas einfach, bei Temperaturen von tagsüber Zimmertemperatur und Nachttemperaturen um die 15 °C können Räume genutzt werden, die tagsüber auf 18-20°C beheizt sind und gegen abend die Heizung ausgestellt wird. Füttern kann man H.jayakari und H.j.salei morph mit allem, was für Skorpione üblich ist: Heimchen, Grillen, Schaben, Heuschrecken, Wachsraupen, Mehlwürmer, Zophobas – das alles bevorzugt nicht größer als die Körpergröße des Skorpions. Größere bis adulte Tiere können einmal in der Woche ein der Größe angepasstes Futtertier bekommen, Jungtiere instar 2/3 und trächtige Weibchen in kürzeren Abständen. Adulte Männchen fressen i.d.R. nicht mehr häufig, da darf der Fütterungsabstand auch bei 3-4 Wochen liegen. Nach eigenen Beobachtungen vertreibt diese Art bei Fressunlust häufig das Futtertier durch Schlagen mit dem Metasoma.
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Verpaarung

Bild17Sowohl die Paarhaltung als auch Gruppenhaltung ist problemlos möglich, daher stellt sich die Verpaarung und Zucht dieser Art als einfach dar. Zur erfolgreicheren Verpaarung sollte man einen festen, flachen Bereich bieten, z.B. einen großen, flachen Stein oder eine Schieferplatte. Während der Trächtigkeit kann die Temperatur erhöht werden. Nach durchschnittlich 4-5 Monaten Tragzeit bringen die Weibchen 20-30 Junge zur Welt. Will man bei der Nachzucht keine Ausfälle riskieren, sollte man das trächtige Weibchen rechtzeitig separieren, da es immer wieder vorkommen kann, dass die Männchen sich über die Frischlinge hermachen. Auch finden manchmal kurz nach dem Werfen schon wieder Paarungstänze statt, wodurch die noch auf der Mutter sitzende Nachzucht abgeworfen werden kann Bild18und die Kleinen schwer verletzt werden können. Nach ca. 1 Woche verlassen die Jungtiere die Mutter, nachdem sie sich ins instar2 gehäutet haben, und sollten danach separiert und einzeln aufgezogen werden, um Kanibalismus nach Häutungen zu vermeiden und Ausfällen vorzubeugen. Die Aufzucht  gestaltet sich unkompliziert und ist im Punkt “Haltung” inkluiert.

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Giftigkeit

H.jayakari und H.j.salei morph besitzen ein recht potentes Gift. Genaue Werte sind nicht bekannt. Laut dem deutschen Ärzteblatt von 1999, Heft 25, wird das Gift der Hottentotta im 4-Stufen-Modell als Stufe 4 eingestuft. Ein Stich ist mit sehr starken Schmerzen verbunden und kann dadurch bei einem gesunden, erwachsenen Menschen zu Herz- und Kreislauf-problemen führen.

 

Literatur und Quellen

Kovařík, F. (2007). „A revision of the genus Hottentotta Birula, 1908, with descriptions of four new species”
Euscorpius, 58; 1-107

K.Kraepelin (1899). “Scorpiones und Pedipalpi”

Lourenço, W. R., E. Ythier, M. Stockmann & John L. Cloudsley-Thompson. (2011). Polymorphism and Hybridization in Species of Hottentotta Birula, 1908 (Scorpiones: Buthidae). Euscorpius, 124; 1-5

Lowe, G. (2010). Two new species of Hottentotta Birula, 1908 (Scorpiones: Buthidae) from northern Oman. Euscorpius, 103: 1−23

www.klimadiagramme.de: Klimakarte Arabische Halbinsel;
http://koeppen-geiger.vu-wien.ac.at: Klimaklassifikation nach W. Köppen
Klimainformationen und Werte aus Klimatabellen: http://www.beste-reisezeit.org/

Dt Ärztebl 1999; 96: A-1710-1715 [Heft 25]

Erfahrungswerte aus Haltungsberichten und eigene Erfahrung

© Melanie Kaminski